„Die Würde des Menschen ist unantastbar – Bist du dir sicher?“

Am 08.06.2018 lud die FSP2 / BS 21 ihre VT-Praxiskurse des 4. Semesters der Erzieher*innenausbildung zum gemeinsamen Fachtag, unter der Thematik:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar – Bist du dir sicher?“, ein.

Im Rahmen einer vierstündigen Veranstaltung wurde allen Teilnehmenden Herr Rosenkötter als Zeitzeuge vorgestellt, welcher sich seit über zehn Jahren in der Diakonie Freistatt als Obmann für die Jugendlichen ehrenamtlich engagiert und uns durch den Fachtag begleitete. Zuvor hatten die Arbeitsfeldkurse bereits Plakate und Handouts zu verschiedensten Thematiken erarbeitet und damit einen Gallery Walk gestaltet, welcher die gesamte Woche zuvor allen an der Schule zugänglich war. Beginnend mit der Vorführung des im Jahr 2015 gedrehten autobiographischen Films „Freistatt“ führte Herr Rosenkötter uns durch den Fachtag. Uns erwarteten eine Stunde und 44 Minuten intensiv berührende, bewegende und emotionale Momente.

Der Film handelt von Wolfgang, einem 14-jährigen Jungen aus Osnabrück, und dessen Heimgeschichte, welche von struktureller, physischer und psychischer Gewalt und von Unterdrückung geprägt ist.

Nach dem Film stellte sich Herr Rosenkötter vollends vor, in dem er uns offenbarte, dass er jener Mensch ist, welcher vom Protagonisten im Film verkörpert wurde.

Gefolgt von einer kleinen Pause, um diese Eindrücke erst einmal zu verarbeiten, starteten wir in eine offene Fragerunde, in der Herr Rosenkötter versuchte, all unsere entstanden Fragen zu beantworten und die enorme Wichtigkeit und auch Aktualität dieser Thematik zu verdeutlichen.

Vielleicht habt ihr vom Friesenhof in Schleswig-Holstein gehört, in dem von 1999 bis 2015 in den Einrichtungen unter anderem rund 80 Mädchen und junge Frauen aus Hamburg untergebracht waren. Die Einrichtungen wurden 2015 wegen Kindeswohlgefährdung geschlossen. Oder von der Haasenburg GmbH in Brandenburg? Diese GmBH betrieb Einrichtungen für die geschlossene Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen. In den Heimen waren Minderjährige unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen untergebracht. Die Unterbringungsbedingungen standen in der öffentlichen Kritik und die Einrichtungen wurden im Dezember 2013 geschlossen.

Geschlossene Unterbringung stellt nicht nur eine Verletzung von Menschenrechten dar, sondern sie ist auch unsinnig, weil sie das Gegenteil von dem erzeugt, was sie angeblich erreichen will: eigenständiges und verantwortliches Handeln. Dies wird von zahlreichen Studien belegt.

Dieser Fachtag bewegte einiges in unseren Köpfen und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Darüber hinaus löste er aber auch einige selbstkritische Fragen aus: Wie können wir vermeintlicher Ungerechtigkeit entgegentreten und entgegenwirken? Wieviel Kraft und Mut erfordert das von uns? Was können wir überhaupt bewirken und wie können wir das?

Aber auch in den Köpfen der anwesenden Lehrkräfte tat sich einiges, was zu Fragen und Anregungen führte: „In der Vergangenheit wie in der Gegenwart aller Arbeitsbereiche finden wir dunkle Kapitel mit struktureller Gewalt und Machtmissbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen. Angeblich zum Wohle der Kinder und Jugendlichen. Wie kann ich mich und meine Auszubildenden im Unterricht sensibilisieren, damit wir diese Fehlentwicklungen in der Jugendhilfe rechtzeitig durchschauen und die Kraft aufbringen, „Nein!“ zu sagen und andere pädagogische Handlungsweisen ermöglichen können?

Letztendlich bleibt festzuhalten, dass dies ein, alle Erwartungen übertreffender, gelungener Fachtag war, nicht zuletzt dank Herrn Rosenkötter, welcher als Zeitzeuge einen bleibenden Eindruck hinterließ und uns wesentlich für diese Thematik sensibilisierte.

Dennis Belle – Auszubildender der Erzieher*innenausbildung